Kantenabsorber sind besser, als die Norm erlaubt. Sie sorgen für eine höhere Klarheit von Sprache – obwohl Kantenabsorber die Nachhallzeiten nur schwach senken. Die Pilotstudie in der Grundschule „Storchenschule“ in der Gemeinde Schöneiche bei Berlin zeigt das schon recht deutlich. Aber nun gilt es wohl, in einem nächsten Schritt, in einer größer angelegten Studie diese Ergebnisse zu erhärten. Was in der Pilotstudie als Tendenz klar erkennbar ist, sollte durch umfänglichere Erhebungen und durch unterschiedliche Raumbeispiele stärker fehlerbereinigt werden.
Aber weshalb „Kantenabsorber“? ReFlx® ist doch (eigentlich) kein Kantenabsorber?!
Zumindest nicht im eigentlichen Sinne…
ReFlx® schlägt 2 Fliegen mit 1 Klappe
ReFlx® deckt die Funktion des Kantenabsorbers gleichsam im Vorbeigang mit ab. Das ist sehr wohl beachsichtigt – und stellte von Anfang an den Kern der Entwicklung dar. Aber da das System auch ganz ohne explizit absorbierende Komponenten umgesetzt werden kann – und dennoch die Raumkanten entstört – ist es nicht im eigentlichen und klassischen Sinne ein Kantenabsorber.
Welche der Funktionen im Vordergrund steht, lässt sich schwer sagen. Denn die Funktion als Kantenabsorber ist für das ReFlx®-System essenziell. Aber der Außenreflektor sorgt, je nach Sitzposition der Zuhörenden, für eine direkte Erstreflexion von Sprachsignalen – und damit für eine Verstärkung des gesprochenen Wortes. Oder auch der Sprache in Film oder Video. Mindestens aber erhöht der Außenreflektor die Diffusität des Schalls – was ebenfalls zur Klarheit von Sprache beiträgt.
… und das sogar so gut, dass Inklusion auch ohne die zusätzliche Ausrüstung mit einer Mikrofonanlage gelingt.
Im Fallbeispiel, in Schöneiche bei Berlin, ist eine Ausführung zum Einsatz gekommen, bei der das Trägersystem tatsächlich als Absorber ausgelegt ist. Zusammen mit absorbierendem (Holz-) Material auf der Rückseite des Außenreflektors ist auch am Trägerelement Dämmmaterial aus Holzfasern verbaut. Das allerdings ist nicht zwingend erforderlich, um dennoch mit ReFlx® auch den Kantenabsorber mit abzudecken.

Kantenabsorber bringen Klangreinheit
In der Pilotstudie wurde deutlich, dass sowohl der Raum, der mit einem Kantenabsorber ausgestattet ist, als auch der mit ReFlx®-System längere Nachhallzeiten aufweisen, als die DIN 18041 es für Kommunikationsräume vorsieht.
Es bedarf eines genaueren Blickes auf Sprache. Und dabei geht es nicht darum, ob jemand nuschelt oder klar spricht – sondern darum, was Raum erbringen muss, um Sprache klar übertragen zu können. Und das weicht von dem ab, was DIN 18041 zumindest für die so genannt „kleinen Räume“ empfiehlt.
Dennoch haben im Rahmen der Pilotstudie Schülerinnen und Schüler der Grundschule Sätze besser verstanden, als in Vergleichsräumen. Dabei war einer der Vergleichsräume komplett ohne jegliche akustische Ausstattungen verblieben. Ein weiterer Raum war bereits in der Vorzeit mit einer vollflächig bedämpfenden Decke ausgestattet worden. Aber selbst in diesem Raum, der mit vollflächig bedämpfender Decke ausgestattet ist, ist die Sprachverständlichkeit nur analytisch besser. Das heißt, dass der Raum mit vollflächig bedämpfender Decke dann besser abschneidet, wenn man messtechnisch die durch die Norm selbst festgelegten Kriterien betrachtet.
Was heißt das: analytisch besser? Es heißt, dass der Raum mit der vollflächig bedämpfenden Decke die kürzeren Nachhallzeiten vorweist. Und es heißt, dass die besseren STI-Werte erreicht werden. Das sind Werte innerhalb des Sprachverständlichkeitsindizes. Trotzdem haben die Schülerinnen und Schüler in den Räumen mit kantenbasierten akustischen Systemen die vorgespielten Sätze mit der höheren Treffsicherheit so wiederholen können, wie gehört.
Nachhallzeiten lassen das nicht erwarten
Auch die Nachhallzeiten, wie schon erwähnt, fallen für den Raum mit vollflächig bedämpfender Decke besser aus. Dieser Raum müsste also die bessere „Hörsamkeit“ und die bessere „Sprachverständlichkeit“ vorweisen können. Das trifft aber nicht zu. Sondern die Spreizung der erzielten Ergebnisse fällt für den Raum mit vollflächig bedämpfender Decke größer aus. Das bedeutet, dass die Leistung der Schülerinnen und Schüler durchschnittlich weniger verlässlich gut ausfällt. Und zugleich haben sie „weniger Richtige“, als in den Räumen mit kantenbasierten Systemen.
Der Raum mit dem reinen Kantenabsorber weist die kürzere Nachhallzeit aus als jener Raum mit ReFlx®-System. Dennoch erzielen die Schülerinnen und Schüler in beiden Räumen näherungsweise gleich gute Ergebnisse. Das korreliert auch mit den praktisch identisch guten STI-Werten für beide Räume. Obwohl sie in den Nachhallzeiten abweichen! – Die tendenziell besseren Resultate der Kinder für den Raum mit ReFlx®-System sind nachvollziehbar, aber im Zweifel statistisch nicht hinreichend belastbar.