Schall + Raum

gern komplett schallhart

Unter Fachleuten kostet es einige wenige kaum ein Schulterzucken, andere aber reagieren irgendwo zwischen Erstaunen und Zurückweisung: Der negative Einfluss der Raumkanten auf die Raumakustik lässt sich auch gänzlich schallhart ausschalten?

Einmal ganz abgesehen davon, dass man vielfach meinen Ansatz zwar höflich respektiert – aber die Ansicht vertritt, ich bewertete für die Raumakustik den Einfluss der Raumkanten völlig über…

Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, erscheint nur deshalb widersprüchlich, weil man uns über Jahrzehnte, nicht zuletzt Kraft DIN 18041 auf die akustische Beruhigung von Räumen mittels Absorption eingeschworen hat. Das muss man erst einmal hinter sich lassen…

Um die „Hypothese“ zu überprüfen, hatte ich in 2020 diverse Versuche mit schallharten Materialien durchgeführt, u. a. mit Feinsteinzeugen (weil diese günstiger verfügbar waren als Glas, bei vergleichbarer spezifischer Dichte).

Versuche mit verzinktem Stahlblech

Raumakustik schallhart optimieren

Für Versuche mit Stahl habe ich 1 mm dünnes, verzinktes Stahlblech auf nur 8 mm dünne, rohe Spanplatten geklebt und geschraubt. Die Klebung vermied, dass das Blech eventuell partiell Schwingung würde aufnehmen können. Und der dünnen Spanplatte nahm ich die Eigenresonanz, indem ich rückwärtig „STEICO base“ in nur 20 mm Stärke aufleimte. – Weder habe ich einen zweiten, innen liegenden Reflektor, noch weiteres Absorbermaterial am Träger eingesetzt.

zur Versuchsanordnung: schwach gedämpfter Reflektor mit Frontseite aus Stahlblech

Resultat all dieser unterschiedlichen Versuche war, dass auch ein einzelner Reflektor den negativen Einfluss der Raumkanten bereits weitreichend unterdrücken konnte.

Dabei muss man berücksichtigen, dass ich in dieser Anordnung nur die sich gegenüberliegenden Raumkanten mit den Reflektoren ausgestattet hatte, nicht aber die kürzeren Seiten, so dass insgesamt die Versuchsanordnung noch nicht einmal ideal war.

C-Cases praktisch gleich effektiv wie späteres ReFlx

Erst nach Abschluss zahlreicher Versuche mit verschiedenen Materialien und unterschiedlicher Anordnung von zusätzlichem innenliegendem Reflektor resp. zusätzlicher innenliegender Anordnung von Absorbermaterial (auf der Rückseite des Reflektors oder an der Trägerkomponente) und nach einem Versuchsaufbau mit prototypisch hergestellten C-Cases habe ich den ersten Klassenraum – noch mit den C-Cases als Vorstufe zum ReFlx-System – ausgestattet: Raum 116 der Städtischen Realschule Waltrop.

R 116 der Städt. Realschule Waltrop, ausgestattet mit C-Cases

Zum Zeitpunkt der Ausstattung dieses Raumes mit den C-Cases und – kostensparend für den Schulträger – mit Brückenstücken (die ohne hinterliegenden Trägerkorpus auskommen) war das Konzept des ReFlx-Systems bereits entworfen und in Versuchsanordnungen erprobt. So war die Verwendung der Brückenstücke kein unwägbares Experiment: In den Reihen ist jedes zweite Element nur ein Reflektor, der zu beiden Seiten von den C-Cases mitgetragen wird.

Trotz Frontflächen von „nur“ 312 mm Höhe ist hier für die Raumakustik bereits der bedeutende Sprung nach vorn gelungen: Resultat ist auch schon hier eine außerordentlich gute Sprachverständlichkeit. – Dennoch habe ich die Erfahrungen aus diesem Raum genutzt, um das ReFlx-System weiter zu optimieren, ehe ich es in weiteren Räumen eingesetzt habe.